Umbaubulldogs - Lanz-Bulldogs mit Austauschmotor


Schon kurz nachdem die "Heinrich Lanz AG, Mannheim" ihren Glühkopfmotor überarbeitet und den neuen sogenannten "Halbdiesel"-Motor auf den Markt gebracht hatte, machte sie den Besitzer von Bulldogs mit dem älteren Glühkopfmotor ein besonderes Angebot. Da die Flanschmaße und die Verzahnung des Zwischenrades vom alten Motor übernommen worden waren, konnte bei Bulldogs des gleichen Baumusters der neue Motor angebaut werden. Diese Anbaumotoren bzw. die dabei entstehenden Umbaubulldogs wurden zudem zu preislich attraktiven Konditionen angeboten (siehe auch Kurt Häfner, LANZ Band 4, S. 188). Diese "Umbaubulldogs" unterscheiden sich, je nach Ausführung, kaum von serienmäßigen Lanz Bulldogs.
Auch der überstrapazierte Alldog-Zweitakt-Motor wurde mehrfach überarbeitet und als Umbau- bzw Austauschmotor (Typ LT 85 D) angeboten.

Heinrich Lanz Mannheim Aktiengesellschaft - Preise für Anbaumotoren und Nachlieferungspreise für Sonderausrüstungen

Abb.: Preise für Anbaumotoren, Stand Juli 1956


Die damalige Lanz-Werbung benennt dagegen folgende Typen (siehe z.B. Häfner, LANZ Band 4, S. 73):

Type BulldogTyp MotorLeistung
D 3506 D 2806 A/23 23 PS
D 7506 D 2806 A 28 PS
D 7506 Allzweck D 2806 A Allzweck 28 PS
D 8506 D 5006 A/42 42 PS
D 9506 D 5006 A 50 PS
D 1506 D 6006 A 60 PS

Tabelle.: Neuer Sparsamer Bulldog-Motor macht Bulldog älterer Bauart noch wirtschaftlicher - Lanz Reklame



Des Weiteren wird in den Lanz Kundendienst-Nachrichten von 1956 auf S.16-18 bekannt gegeben, dass zum "nachträglichen Einbau eines neuen Motors für die Schleppertypen D 2531 und D 2539 [...] neuerdings der Motor von D 6016 [...] zur Verfügung" steht.

Ein kurzer Auszug beschreibt Details des Umbaus (und bestätigt die Leistungsangabe von 58 PS für den D 6006 A aus der Preisliste bzw. widerspricht der Leistungsangabe von 60 PS aus der Werbung): 

"Aufgrund der höheren Umdrehungszahl von 800 U/min. des neuen 60 PS Motors, gegenüber 750 U/min. des alten Motors, wird, um eine gleichbleibende Geschwindigkeit zu erreichen, die Drehzahl des Austauschmotors auf 750 U/min. reduziert.

Die Leistung beträgt mit der herabgesetzten Drehzahl 58 PS.

Auf dem neuen Typenschild ist die reduzierte Drehzahl (750 U/min.), sowie die Leistung (58 PS) anzugeben.

Die umgebauten Maschinen müssen vom Technischen Überwachungsverein neu aufgenommen werden.

Eine Umbau-Anleitung wird allen zum Versand gelangenden Motoren ab Werk mitgeliefert.[...] Für die Austauschmotoren wurde ein neues Typenschild geschaffen, auf dem je nach dem auszutauschenden Glühkopfmotor folgende Angaben einzuschlagen sind: [...]

TypeMotor-Nr.Fahrgestell-Nr.LeistungDrehzahl
D 6006 A Neue Motor-Nr. Motor-Nr. des alten Glühkopfmotors 58 PS 750

Außerdem sind die auf dem Typenschild des alten Motors angegebenen zulässigen Achslasten, Gewichte und die alte Motor-Nummer (letztere unter der Rubrik "Fahrgestell") auf das neue Schild zu übertragen. Das alte Schild ist mit einer Reißnadel lesbar durchzustreichen und an der Motor-Blechverkleidung in der Nähe des neuen Schildes, das wie normal am Schlepper angebracht ist, anzuschrauben.

- Siehe nachfolgende Skizze -"

Umbaubulldogs - Neues Typenschild bei Austauschmotor

Abb.: Lanz Kundendienst-Nachrichten vom 30.4.1956, Neues Typenschild bei Austauschmotor

Die erwähnte "Umbau-Anleitung" ist lediglich für den "Austausch des Motors bei Bulldog D 3506, D 3506 Allzweck, D7506, D7506 Allzweck und D7006 mit gefederter Vorderachse, D7506 Allzweck, D 7532 Verkehrs-Bulldog gegen den Motor des Bulldog D 2806 neuester Bauart" bekannt. Für den Umbau der übrigen Lanz Bulldog Typen dürfte aber vermutlich ähnliches gegolten haben.

Ob es für die Lanz Bulldogs der HE-Baureihe ein offizielles Austauschprogramm gegeben hat liegt noch weitgehend im dunkeln. Indizien wie z.B. eine Preisliste aus dem März 1955 sprechen dafür. Auch einige wenige Exemplare des D 5506 "Seitenglühkopf"-Bulldogs haben einen "Halbdieselmotor" bekommen und sind erhalten geblieben. Wer Details zum "D 1706 A" kennt, möge sich bitte melden.

Dass die Umbau-Thematik, wie so vieles bei der Firma Lanz, längst nicht so so einfach, wie in der einschlägigen Literatur beschrieben ist, zeigt auch das Umbaubulldog-Register. Hier fällt besonders auf, dass bei vielen Bulldogs nicht das "neu geschaffene Typenschild" verwendet wurde. Auch die Typenbezeichnung und Leistungsangabe entspricht oftmals nicht den Angaben in der Literatur. Des Weiteren wurde bei vielen Bulldogs anstelle des Zusatzes "A" zur Typenbezeichnung der Zusatz "U" verwendet. Dieser wurden schon bei den ersten Nachkriegsmaschinen vergeben, wenn ein Bulldog mit Holzgas-Generator (Reingas) ausgeliefert werden sollte, er aber nach dem Krieg (also noch vor der Erstauslieferung), auf den gewöhnlichen Glühkopfbetrieb "zurückgebaut" wurde. Der Zusatz "U" steht wohl für "Umbau" (des Motors). Die Typenbezeichnungen mit diesem Zusatz lauten dann (bei Umbau auf "Halbdieselmotor"): D 1706 U, D 2806 U, D 5006 U und D 6006 U. Diese Umbaubulldogs wurden bisher noch nicht mit dem oben beschriebenen neuen Typenschild oder mit zwei Typenschildern gesichtet.
 
Ob das Durcheinander durch die zuständigen Behörden bzw. Prüfstellen, die den Umbau durchführenden Lanz-Werkstätten oder durch andere Gründen zustande gekommen ist war leider bisher nicht zu klären. Indizien sprechen dafür, dass die Firma Lanz zunächst selbst den Zusatz "U" für den D 2806 "Umbau-Motor" verwendet hat. Dieser wurde dann wahrscheinlich Anfang des Jahres 1955 zu "A" geändert, was wohl zunächst für "Austauschmotor" bzw. später für "Anbaumotor" gestanden haben dürfte. Wer weitere Details zu den Umbaubulldogs mit Austauschmotor kennt, möge sich bitte melden.

Aufgrund der oftmals fortlaufenden Nummerierung der Motoren der im Register gelisteten Bulldog ist davon auszugehen, dass am Lanz-Fließband jeweils eine Serie Austauschmotoren aufgelegt wurde. Die Motornummern der Umbaubulldogs der HR-Serie stammen (bei "offiziellen" Umbauten) aus dem Nummernkreis der Typen D 5006 (Motornummer 711 030 oder höher).